Schneesicherheit

„Ohne Schnee ist alles nichts“ – dieser Satz hat in der Branche den Stellenwert eines Naturgesetzes. Aber was bedeutet Schneesicherheit aus Gästesicht konkret? Aktuell sind wir noch dabei, dies in Erfahrung zu bringen. Hier geht es zu einer Befragung, bitte lassen Sie uns Ihre Einschätzung zum Thema Schneesicherheit wissen!

Fakt ist: In modernen Skigebieten spielen die natürlichen Schneeverhältnisse dank der technischen Beschneiung für die Bereitstellung schneebedeckter Pisten kaum noch eine Rolle. Daher zielen Analysen von Schneefallmengen und Anzahl von Schneedeckentagen am Kern der Sache vorbei.

Als Skifahrer will man, dass das Skigebiet funktioniert, dass all seine Bereiche auf ausreichender, gut gepflegter weißer Unterlage erreichbar sind. Ausreichend Naturschnee auf nicht beschneiten Abfahrten, Pulver im freien Gelände und verschneite Bäume sind selbstverständlich ein willkommener Mehrwert, aber im Zweifel ist Skifahren nur auf technischem Schnee immer besser, als gar nicht Skifahren – insbesondere für den Urlaubsgast. Der bucht z. T. Monate vorher, wenn noch in keiner Weise absehbar ist, was die Natur zum Zeitpunkt der Reise liefert.

Das Konzept zur Bewertung der Schneesicherheit

Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die beeinflussen, ob und in welchem Umfang in einem Skigebiet Abfahrten zur Verfügung stehen:

  • Menge und Regelmäßigkeit natürlicher Schneefälle
  • Anteil der technisch beschneiten Abfahrten
  • Leistungsfähigkeit der Beschneiungsanlage (abhängig vom stündlichem Wasserdurchsatz pro zu beschneiendem Hektar, von Anzahl und Leistungsmerkmalen der Schnee-Erzeuger, von der Luft- und Wassertemperatur, der zur Verfügung stehenden Gesamtwassermenge etc.)
  • Anteil vergletscherten Terrains
  • Schneebedarf des Geländes (Fels- oder Wiesengrund)
  • Charakter von Tauwetterphasen in Abhängigkeit von Exposition und örtlichem Klima
  • Qualität bzw. Intensität des Snow-Managements (Nutzung von Schneifenstern, Pistenpflege, Schneedepots, Schneezäune etc.).

Die Bewertung der Schneesicherheit orientiert sich hier jedoch nicht an diesen Faktoren, die kombiniert das Produkt Schnee auf den Hängen erzeugen. Warum? Einerseits dürfte es quasi unmöglich sein, das extrem komplexe Zusammenwirken der genannten Faktoren methodisch zu greifen. Andererseits wäre es mit einem unverhältnismäßigen Aufwand verbunden, die Vielzahl der Daten für alle relevanten Skigebiete zu erfassen.

Daher sollte die Schneesicherheit primär vom Ergebnis her bewertet werden, also ausgehend davon, was der Gast vorfindet. Was nimmt der Gast wahr? Er sieht auf der Panoramatafel an der Talstation, wie viele Pisten geöffnet sind, ob dort auch neben den Pisten Schnee liegt und ob man oben am Berg ins freie Gelände fahren kann. Ob der Schnee auf den Pisten aus der Maschine stammt, vom Himmel gefallen ist oder ob sich ein Gletscher darunter befindet, sieht er nicht.

Daher bewerten wir die Schneesicherheit zunächst auf Basis dieser drei zentralen Faktoren:

  • Faktor 1: Angebotsverfügbarkeit Pisten
    Welchen Anteil seines Terrains stellt ein Skigebiet zu welchen Zeitpunkten üblicherweise zur Verfügung? Gab es zu wichtigen Terminen Tage ohne Skibetrieb? An wie vielen Tagen konnte insgesamt Schneesport betrieben werden? Für den Gast spielt es nämlich letztlich keine Rolle, ob ein Skigebiet diese Ergebnisse dank Frau Holle oder dank teurer Technik erreicht, der Gast will einfach nur verlässlich seinen Sport ausüben können.
  • Faktor 2: Anzahl der Schneetage im Ort
    Wer als Urlauber mehrere Tage in einem Wintersportort verweilt, verknüpft damit auch die Erwartung, ein winterliches Ambiente vorzufinden. Zumindest schätzen es die meisten Gäste, wenn auch im Ort Schnee liegt.
  • Faktor 3: Schneequantität im Gelände, ausgedrückt durch die jährliche Summe der Neuschneehöhe
    Da viele Schneesportler auch das Tiefschneeerlebnis im Gelände suchen, sollte die natürliche Schneefallmenge auch in die Bewertung einfließen. Welches Gewicht man ihr beimisst, hängt natürlich ganz stark von individuellen Vorlieben und vom Leistungsvermögen ab. Für Anfänger ist Neuschnee selbst auf der Piste ein Problem, für passionierte Freerider kann es gar nicht genug davon geben.

Folgende Variablen fließen in die Bewertung dieser drei Faktoren ein:

Angebotsverfügbarkeit Pisten in den letzten 5 Wintern

  • Angebotsverfügbarkeit in der Kernsaison: Es wird von einem Saisonzeitraum vom 20. Dezember bis 10. April (durchschnittlicher Termin Ostersonntag) ausgegangen, was 112 Tagen entspricht. Der jeweilige Anteil des verfügbaren Angebots (von null bis 100 Prozent) wird für jeden Tag dieses Zeitraums bestimmt, die 112 Werte aufsummiert und durch 112 dividiert. Das Ergebnis ist das durchschnittlich über den gesamten Zeitraum verfügbare Angebot in Prozent. Das verfügbare Angebot kann dabei durch den Anteil der geöffneten Abfahrtskilometer (z. B. 30 von 40 Kilometern = 75 Prozent), der Fläche (250 von 500 Hektar = 50 Prozent) oder der geöffneten Liftanlagen (7 von 10 = 70 Prozent) ausgedrückt werden.
  • Angebotsverfügbarkeit in den Weihnachtsferien: Analog wird die Angebotsverfügbarkeit zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar ermittelt. Dabei werden der prozentuale Anteil des verfügbaren Angebots sowie der Anteil der Tage mit Skibetrieb in diesem Zeitraum (z. B. 10 von 13 Tagen = 77 Prozent) mit jeweils 50 Prozent gewichtet. Damit wird berücksichtigt, dass es zu Weihnachten v. a. darauf ankommt, überhaupt Skifahren zu können.
  • Gesamtlänge der Saison: Besonders schneesichere Skigebiete zeichnen sich durch eine lange Saisondauer aus. Eine Saisondauer von 180 Tagen wird hier gleich 100 Prozent gesetzt, dementsprechend können bei Ganzjahresbetrieb maximal gut 200 Prozent erreicht werden. Ausschlaggebend wäre der Betrieb wenigstens einer Abfahrt.

Anzahl Schneetage im Ort

  • Hierzu kann auf offizielle Daten der Wetterdienste zur durchschnittlichen Anzahl der Tage mit Schneehöhe >0 cm zurückgegriffen (in den letzten fünf Wintern) werden. Bei großen Skigebieten, zu denen Ortschaften in verschiedenen Höhenlagen zählen (in den französischen Trois Vallées schwankt das zwischen 600 und 2300 Meter Seehöhe) ist die Höhe maßgeblich, auf der sich der Schwerpunkt der Bettenkapazitäten befindet.
  • Ergänzend könnte die mittlere maximale Schneehöhe im Ort Eingang finden. So würden Orte, die den Traum vom Schnee bis zur Dachkante wahr werden lassen, entsprechend gewürdigt. Es gibt nämlich eine Reihe von Wintersportorten, in denen zwar beständig Schnee liegt, sich aber niemals eine mächtige Schneedecke ausbildet.

Schneequantität im Gelände

  • Hierzu wird auf offizielle Daten der Wetterdienste und Skigebiete zur durchschnittlichen jährlichen Summe der Neuschneehöhe zurückgegriffen. Gewisse Verzerrungen durch unterschiedliche Messmethoden müssen dabei in Kauf genommen werden. Während europäische Wetterdienste die Neuschneehöhe nur 1x täglich messen, geschieht das andernorts stündlich. Je häufiger man misst, desto höher die Summe der Neuschneemenge.
  • Natürlich wäre es wünschenswert, hier weitere Variablen einzubeziehen: die Anzahl der Tage mit mindestens 10, 20 oder 30 cm Neuschnee, die Schneequalität (ausgedrückt durch den Luftgehalt der Schneedecke), die erreichten maximalen Schneehöhen oder die Anzahl der Tage mit Schneedecken von mehr als zwei oder drei Metern. Da diese Daten aber nicht auf breiter Basis vorliegen und ihre Erhebung mit einem unverhältnismäßigen Aufwand verbunden wäre, muss darauf zunächst verzichtet werden.

Neben den drei zentralen Faktoren sollen zwei Bonusfaktoren in die Bewertung einfließen

  • der Anteil vergletscherten Terrains am gesamten Terrain.
  • die Leistungsfähigkeit der Beschneiungsanlage.

Technische Beschneiung

Die Leistungsfähigkeit der technischen Beschneiung ist indirekt zwar bereits über den Faktor Angebotsverfügbarkeit berücksichtigt, denn je stärker die Beschneiung desto höher der Anteil der verfügbaren Abfahrten. Trotzdem soll eine leistungsstarke Schneeanlage über diesen Effekt hinaus Punkte in der Bewertung der Schneesicherheit bringen. Der Grund ist folgender: Die technische Beschneiung ermöglicht uns Schneesportlern den Luxus, auch in Regionen mit unzureichender natürlicher Schneesicherheit Ski zu fahren, Regionen, die ggf. weniger weit entfernt sind und uns auch Tagesausflüge auf die Pisten ermöglichen. Für diesen Luxus müssen die Skigebietsbetreiber einen enormen finanziellen Aufwand betreiben. Für die Gäste stellt er einen Wert dar.
Insofern darf eine aufwändige Beschneiung bei der Bemessung der Preiswürdigkeit eines Skigebietes eine Rolle spielen. Ausdrücken lässt sich die Leistungsfähigkeit durch die Pumpkapazität (in Kubikmeter Wasser pro Stunde) pro Hektar beschneiter Fläche. Darüber lässt sich berechnen, wie lange es braucht, um auf den beschneiten Flächen beispielsweise 40 Zentimeter Schnee zu erzeugen. Je schneller, desto besser.

Zur Bewertung der tatsächlichen Effizienz der Beschneiungsanlage müsste man diese für die Grundbeschneiung erforderlichen Stunden eigentlich zum örtlichen Klima in Bezug setzen. Wenn man wie in Finnisch-Lappland ab November verlässlich nächtliche Tiefstwerte von minus 10°C hat, kann man sich ruhigen Gewissens etwas mehr Zeit für die Beschneiung nehmen. Im Sauerland muss man froh sein, wenn man vor Weihnachten 40, 50 Stunden mit ausreichend kalten Temperaturen zusammenbekommt. Die Effizienz ist aber bereits über die Angebotsverfügbarkeit berücksichtigt. Daher geht es bei diesem Bonuskriterium rein um die absolute Power der Beschneiung.

Gletscherterrain

Ähnlich wie mit der Beschneiung verhält es sich mit Gletscherskigebieten. Sie bieten die Möglichkeit, bereits im Herbst und noch lange im Frühjahr Ski oder Snowboard zu fahren – ebenfalls ein Luxus. Der Betrieb eines Gletscherskigebietes ist jedoch mit einem enormen Aufwand verbunden: Liftstützen müssen versetzt, Spalten zugeschoben, Lawinen abgesprengt, Windzäune aufgestellt und vom Eisschwund bedrohte Bereiche im Frühjahr abgedeckt werden. Daher rechtfertigt auch das Vorhandensein von Skiterrain auf einem Gletscher extra Punkte bei der Schneesicherheit.
Insgesamt stellt sich das Konzept zur Bewertung der Schneesicherheit wie in der nebenstehenden Abbildung dar.

Auch die geschilderte Methode benötigt eine Menge Daten, die bislang nur von wenigen Skigebieten vorliegen. Anhang einiger dieser Skigebiete zeigt die folgende Tabelle exemplarisch, wie ein Wert für die Schneesicherheit ermittelt werden kann.

Skigebiet

Basisfaktoren

Bonusfaktoren

Gesamt

(Benchmark 142% = 100% gesetzt)

Angebotsverlässlichkeit

Freeride-Möglichkeiten

Winterambiente

Gletscher-terrain

Beschneiung

Verfügbarkeit Abfahrten

Saisontage

Schneefall Berg

Schneetage Ort

Fläche
Pisten

m³ pro ha Gesamtfläche

40%

15%

25%

20%

15%

10%

Paradiski

84%

134

1.082 cm

198

10 ha

5,8

66%

KitzSki (Kerngebiet)

87%

200

1.154 cm

114,9

0 ha

16,6

65%

Mayrhofen-Lanersbach

84%

142

1.025 cm

104,6

0 ha

17,0

58%

Serfaus-Fiss-Ladis

84%

137

1.026 cm

144,8

0 ha

19,1

62%

Ski Arlberg

89%

149

1.450 cm

159,9

0 ha

12,1

71%

Hintertuxer Gletscher

96%

365

1.570 cm

172,4

142 ha

3,8

100%

Schmittenhöhe

94%

143

671 cm

110,7

0 ha

14,6

56%

Snowmass

79%

150

668 cm

185,8

0 ha

0,7

57%

Skiliftkarussell Bremberg

51%

113

220 cm

88,1

0 ha

44,5

39%

Garmisch Classic

79%

105

1.250 cm

97,1

0 ha

20,0

58%

Zugspitze

99%

165

1.870 cm

97,1

9 ha

0,0

75%

SkiArena Andermatt Sedrun

84%

149

1.248 cm

172,1

0 ha

14,7

70%

 

Die Gewichtung wird aktuell noch im Rahmen einer Befragung verifiziert. Die Angaben in der Tabelle beruhen zum Teil noch auf Schätzungen.